Mutmaßungen über den Tod Marcus Omofumas

Er starb an Langeweile.
Er starb an maßloser Flugangst.
Er starb an angeborenen Blutergüssen.
Er starb an einem erträumten Trauma.

Er starb an einer Überdosis Betulichkeit.
Er starb an der Niederfrequenz eines Hirns.
Er starb am Marschrhythmus eines Herzens.
Er starb an der Freundlichkeit eines Ministers.

Er starb auf Befehl eines Voodoo-Priesters.
Er starb im Auftrag von Amnesty International.
Er starb am Ekel vor Uniformen
Er starb aus purem Trotz.

Er hat vermutlich nie existiert.
Er wird demnächst nie existiert haben.

*

Anmerkung: Der Nigerianer Marcus Omofuma sollte 1. Mai 1999 mit einem Flugzeug nach Bulgarien abgeschoben werden. Da er nicht einsteigen wollte und im Flugzeug zu schreien und randalieren begann, schnürten die drei begleitenden Polizeibeamten während des Fluges seinen Brustkorb mit Klebebändern ein und verklebten ihm den Mund sowie die Nase, woraufhin er erstickte.

Die drei Polizisten wurden im Jahre 2002 der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen für schuldig befunden. Das Strafmaß von acht Monaten bedingt unter einer Probezeit von drei Jahren ermöglichte den Verurteilten eine Weiterbeschäftigung als Polizeibeamte. Ihre Suspendierung vom Dienst wurde am 5. Mai 2001 - also bereits Monate vor der ersten Hauptverhandlung - aufgehoben.
(Quelle: Wikipedia)

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"Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt."
(Ludwig Wittgenstein)

"Every language is a vast pattern-system, different from others, in which are culturally ordained the forms and categories by which the personality not only communicates, but also analyzes nature, notices or neglects types of relationship and phenomena, channels his reasoning, and builds the house of his consciousness."
Benjamin Lee Whorf