Glossen

Glossen zu schreiben bedeutet: sich einmischen in aktuelle Diskussionen. Im Laufe der Jahre sind so zahlreiche Texte entstanden, von denen nicht wenige noch immer aktuell sind. Glossen wirken nicht nur durch sich, sondern auch durch ein Umfeld, das Reflexionen und Diskussionen förderlich ist.
Die folgenden Texte erschienen zwischen 1993 und 2000 im Standard und in der Wiener Zeitung.

Notstand

Herr Carl Michael Belcredi hat am 3. November 1993 einen Zehnjährigen geohrfeigt. Herr Belcredi wurde deshalb ein Jahr später verurteilt. In der Begründung hieß es: "Die Ohrfeige ist weder entschuldbar noch gerechtfertigt. Sie ist Misshandlung und Beleidigung."
Herr Belcredi berief und wurde nun freigesprochen. Ein Richter-Senat gestand ihm einen "Entrüstungsnotstand" aufgrund des Arbeitsstresses und der vorangegangenen Hänseleien durch die Kinder zu.
Soweit so schlimm.
Schlimmer ist dies: Belcredi ist prominent in diesem Land. Ebenso wie der frühere Justizminister Ofner, der die "gsunde Watschn" als probates Erziehungsmittel propagierte, ebenso wie Jörg Haider, der diese in die politische Diskussion einbrachte.
Prominente üben eine Vorbildwirkung aus. Ihre Aussagen und Taten bieten sich Kindesmisshandlern als Rechtfertigung an und verstärken die Akzeptanz von Gewalt als Erziehungsmittel: 90 Prozent der österreichischen Eltern setzen Ohrfeigen als Mittel der Konfliktlösung, 30 Prozent bekennen sich auch zu schweren körperlichen Strafen (Manfred Jochum: Rede bei der Verleihung des Hans Czermak-Preises 1993). Dem würde auch die Meldung entsprechen, dass 90 Prozent der bei Herrn Belcredi eingegangenen Briefe seine Tat guthießen.
Mit dieser Akzeptanz spekulierte auch der Verteidiger, indem er leger formulierte, er hätte "dem Buam noch eine zweite gegeben". (Eine interessante Strategie: Vielleicht hören wir demnächst vom Anwalt eines Bankräubers: "Also ich hätt' die Geisel ja nicht so bald freigelassen.")
Drei ältere Herren fanden seine Ausführungen schlüssig. Sie übersahen den Notstand der weit verbreiteten Gewalt innerhalb und außerhalb der Familie. Sie übersahen den Notstand der psychischen und physischen Defekte der Opfer. Und sie übersahen konkret den Notstand eines Kindes, das von einem Fremden öffentlich gezüchtigt wurde, das Schmerz, Scham und Ohnmacht empfinden und ertragen musste.
All das hatte keine Entrüstung der Richter zur Folge, die sich hingegen in die Psyche eines die Öffentlichkeit gewohnten Mannes einfühlen konnten, den die neugierige Herausforderung durch einige Kinder zum Entrüstungsnotstand, sprich: zur Gewaltanwendung trieb.
Das Gericht hat entschieden.
Das Urteil ist endgültig.
Ein Fall von Generalprävention: Vermieden soll damit werden, dass die Vernunft als Erziehungsgrundlage dient. Vermieden wird die Entwicklung partnerschaftlicher Konfliktlösungen mit Kindern, - somit eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung demokratischen Bewusstseins (vgl. etwa: Günther Pernhaupt (Hg.): Gewalt am Kind, Wien 1983). Gefördert wird die Zucht von Getretenen, die auf ihre Chance warten, irgendwann selbst treten zu können. Gefördert wird in letzter Konsequenz das Recht des Stärkeren.
P.S.
Was machen nun eigentlich Eltern, die ihre Kinder nicht misshandelt sehen wollen? Sollen sie sich einen Schlagring zulegen? Falls ein genervter Zeitgenosse ihrem Kind zu nahe tritt, könnte eine derartige Waffe von Nutzen sein. Vor Gericht können sie ja noch immer auf Entrüstungsnotstand plädieren.
Man sieht: Gewalt produziert Gewalt. Hans Czermak hat immer wieder gefordert, die Spirale der Gewalt zu unterbrechen. Soeben wurde die Spirale ein Stück weitergedreht.

Der Standard 1995

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Moderne Zeiten (1) - Der Kindergeburtstag

Theodora Shulamith Ribanna Pschistratschek ist weder Solotänzerin der New dance-Gruppe Regenbogen noch Leiterin einer florierenden Agentur für Navajo-Reliquien und keltische Schlafzimmereinrichtungen, obwohl dies durchaus realistische Zukunftsperspektiven darstellen. Tatsächlich soll Theodora Shulamith Ribanna Pschistratschek (in der Folge TSRP) demnächst ihren achten Geburtstag begehen, plan- und stilgerecht mit einem tibetanischen Trommler zur musikalischen Untermalung und einer Waldviertler Seherin als Unterhaltungsbeitrag, ein Ereignis, das eine intensive familienplanerische Auseinandersetzung mit den gesammelten Time-Managern von Mama, Papa und Tochter erfordert.
"Am Wochenende", schlägt Papa Pschistratschek, seines Zeichens Erdstrahlenberater und somit gewissermaßen der Scholle und der Tradition verhaftet, vor. "Kindergeburtstage feiert man immer am Wochenende, weil man dann die Bescherung in Ruhe aufräumen kann."
"Ausgeschlossen." Mama Pschistratschek deutet auf die dicken Filzstiftbalken in ihrem Terminplaner. KONZERTHAUS: ATONALES FÜR DIE KLEINSTEN steht da in grüner Schrift, dem familienintern akzeptierten Farbton für pädagogisch Wertvolles. Daneben erinnert das sonntägliche ATMEN!!! keineswegs an die Ausführung unwillkürlicher Körpervorgänge sondern verweist auf ein Seminar im Rahmen der ganzheitlichen Familientherapie.
Papa Pschistratschek schweigt betroffen. Weiß er doch, dass dies eine der wenigen Möglichkeiten darstellt, abseits von bereits in längst vergangenen Uni-Seminaren kritisierten Interaktionsklischees ein familiäres Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Ob er auch daran denkt, dass ihm seine Gattin nach der letzten derartigen Veranstaltung einen Kuss aufs linke Ohrläppchen erlaubt hat, ohne stante pede auf die negativen Einflüsse der Sexualität auf den spirituellen Fortschritt zu verweisen, bleibt unausgesprochen.
"Montag", schlägt die Mama vor und erntet dafür prompt ein energisches Kopfschütteln ihrer Tochter, deren Nachmittag mit den Einträgen BIOFEEDBACK, GEIGENSTUNDE, SCHAMANISTISCHES BALLETT ausgefüllt ist.
Den Dienstag übergehen die Pschistratscheks mit dem stillschweigenden Einverständnis der einigenden Schande in Form von Nachhilfestunden für TSRP, noch dazu von einem Lehrer, der eingestandenermaßen raucht und gerüchteweise Rindfleisch von unglücklichen Kühen zu sich nimmt.
Mittwoch fällt ebenfalls aus, da die Vorbereitung auf den abendlichen Vortrag des berühmtesten Saddhus Südostkaschmirs zumindest dreistündige rituelle Waschungen erfordert, eine Tätigkeit, die sich kaum mit einem Kindergeburtstag vereinbaren lässt.
"Also Donnerstag", murmelt die Mama.
Die leeren Seiten in den versammelten Kalendern lassen kurz Hoffnung aufkommen, die jedoch von TSRP mit einem gehauchten "Neumond" rasch wieder zerstört wird. Über die diesem Umstand anhaftenden Emissionen negativer Sphärenenergie muss im Kreise der Pschistratscheks nicht eigens diskutiert werden.
"Freitag ist ideal", stellt Papa Pschistratschek nach einem Blick auf sein Auftragsbuch - bloß eine Erdstrahlenmessung in einem Villenbunker - fest. "Da könnte ich schon um drei..."
"Du könntest!" unterbricht ihn seine Frau im leidenden Achtung-Unterdrückung-Tonfall. "Soll ich vielleicht auf meine Rebirthing-Gruppe verzichten, ausgerechnet an dem Abend, an dem ich als Cleopatra wiedergeboren werde?" Das Funkeln in ihren Augen lässt diese Aussage durchaus nachvollziehbar erscheinen, weshalb Papa Pschistratschek augenblicklich "Dann eben die Woche darauf" in die Debatte wirft.
An dieser Stelle verabschiedet sich der Berichterstatter von der Familie Pschistratschek. Ob TSRP nun zu ihrem Geburtstagsfest kommen wird oder nicht, entzieht sich daher seiner Kenntnis. Doch was soll's. Die Zeremonie zu Ehren des vierzüngigen Windgeists und die rituelle Erddemagnetisiserung des Wohnzimmers finden auf alle Fälle in den nächsten Tagen statt. Und darüber wird sich gefälligst auch die kleinen TSRP freuen.

Wiener Zeitung 1992

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Die Wissende

Die alte Frau im ersten Stock weiß Bescheid. Sie deutet den ungeduldigen Zug der Arme, die sie unterfassen, wenn sie die Treppe hinaufsteigt, sie unterhält sich mit gespannten Muskeln, abgekaute Fingernägel erzählen ihr Wahrheiten wie die Haare, die Haut des Handrückens. Masken aus Lidstrich und Lippenstift, glattrasierte Kinnladen lenken sie nicht ab, denn sie tastet die Gesichter der Kinder dahinter, die von Allmacht träumen, mit fünf, mit zwanzig, mit fünfunddreißig. Sie kennt die Gerüche der wahren und falschen Liebe wie den Gestank der Eifersucht, die Ausdünstungen der Trinker, den bitteren Magen der Zweifler, den scharfen Schweiß der Ängstlichen hinter Wolken aus Parfum, Schnaps und Deodorant.
Sie weiß um die Vergangenheit des jungen Mannes, der täglich die Styroporpackungen mit dem Mittagessen bringt. Hat er sich nicht der Haushaltshilfe gegenüber als Student der Theologie ausgegeben, da wird er sie mit christlichen Argumenten zu einer Abtreibung überreden müssen. Notfalls, sagen seine Freunde, hilft ein Tritt in den Bauch.
Ihr entgeht nicht, dass die Sozialarbeiterin mit dem ledigen Kind einen Freund und einen Liebhaber hat. Sie belügt beide, bis sie selbst vergisst, wann sie wo gewesen ist, lässt sich für ihre vorbildliche ethische Haltung die Auszeichnung einer Randgruppe an die Brust hängen, von der sie nicht weiß, welche Hand sie an diesem Abend berühren wird, und spielt Hochzeit mit den Barbiepuppen ihrer Sechsjährigen, der sie erklärt, dass Männer Frauen unterdrücken.
Sie weiß um die Münzen, die aus den Sparbüchsen der Kinder des Spielers fehlen und um die nächtlichen Anrufe, mit denen seine Frau die Schulden abträgt, um die gekünstelten Schreie der Ehefrauen, die heuchlerischen Seufzer der Männer, die zitternden Hände der Marketingassistentin, wenn der Vorrat an Glückspillen erschöpft ist. Das blaue Kuvert mit den Ergebnissen der Blutuntersuchung, das schon drei Tage ungeöffnet auf dem Tisch des Buchhalters im dritten Stock liegt, die Verwünschungen, die verworfenen Banküberfälle, erträumten Vergewaltigungen, Giftmorde im Gedanken, sie kennt sie alle.
Die alte Frau könnte mit geflüsterten Botschaften, mit anonymen Briefen häusliche Katastrophen auslösen. Sie könnte plump erpressen oder sich mit Geschenken hofieren lassen. Sie könnte vorgeben, die Künste der weißen und schwarzen Magie zu betreiben, Tarot, Astrologie, Chiromantik, Spiritismus, Voodoo, und damit ein kleines Vermögen anhäufen. Sie könnte bonbonfarbene Schicksalsromane verfassen wie die Stieftante der englischen Königin oder eine Abhandlung über die Niedertracht. Sie könnte schließlich als Zeitzeugin naive Studenten der Geschichte darüber aufklären, dass sie stets Leichen finden werden, wenn sie dort graben, wo sie stehen.
Wäre sie nicht taub und blind.
Vielleicht hören wir doch noch von ihr. Die Sozialarbeiterin hat bereits angekündigt, sie ins Fernsehen zu bringen.

Wiener Zeitung

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Anmerkungen zu Fo

Einmal in Rom auf der Piazza del popolo beobachtete ich im Garten eines der sündteuren Cafés einige Jugendliche der Armani-Fraktion, die sich über einen älteren Geigenspieler lustig machten. Einer der jungen Männer warf dem Geiger mit herablassender Geste ein paar Lire-Scheine hin und forderte ihn auf, etwas anderes zu spielen als die ewigen Tarantelle. Der Musiker steckte ungerührt das Geld ein, setzte sein Instrument an - und spielte die Internationale.
Einmal in Venedig stand ich in einer Menschentraube, die sich um zwei Straßenhändler scharte. Die beiden verkauften Micky Mäuse aus Papier und Bindfäden, die aus unerklärlichen Gründen zur Musik aus einem Kassettenrekorder tanzten. Die Straßenhändler erklärten mit großen Gesten und einem Schwall von Adjektiven, dies habe mit einer "magnetischen Konstruktion" zu tun. Wer immer eines der seltsamen Tierchen erwarb, darunter ich, musste daheim feststellen, dass er auf einen billigen Trick mit kaum sichtbaren Nylonschnüren hereingefallen war.
Einmal in Perugia schilderte mir eine alte Frau in aller Ausführlichkeit ihre Leiden, vom Rheumatismus bis zu den Magenschmerzen. Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass die gute Dame den Großteil des Jahres hindurch sämtliche Zimmer ihrer Wohnung um Wuchermieten an Studenten vermietete und selbst in einem Zelt am Trasimenischen See wohnte.
Einmal in Neapel gelangte ich unversehens in Vororte, in denen Menschen in Holzverschlägen wohnten, die in fünf Meter Höhe zwischen eng aneinander stehende Betonburgen gekeilt waren. Darunter schnüffelten Schweine durch den Dreck, gejagt von krank wirkenden Kindern, ein Bild wie in den Slums von Delhi oder Bombay.
All das ging mir durch den Kopf, als ich von der Zuerkennung des Nobelpreises an Dario Fo hörte. An jenen Mann, der solche Szenen, der wie kein anderer die Gewinner und Verlierer der Marktwirtschaft auf die Bühne bringt und gleichzeitig die Gründe nennt, weshalb es Gewinner und Verlierer gibt. Dass er dies noch dazu mit jeder Menge Humor bewerkstelligt, kommt nicht von ungefähr:
"Es öffnet sich nicht nur der Mund beim Lachen sondern das Gehirn. Und ins Gehirn können die Nägel der Vernunft eintreten", sagt seine Partnerin Franca Rame.
Das haben hierzulande nur wenige begriffen, das Gemeindehof-Theater etwa oder das Soyfer-Theater.
Dass die heimische Kulturberichterstattung im Gefolge von Marcel "Ich lache nicht unter meinem Niveau" Reich-Ranicki nichts mit dem Gaukler anfangen konnte, überrascht nicht. Die Kommentare reichten von Ratlosigkeit bis Fehleinschätzung, die Aufforderung, den italienischen Dramatiker häufiger zu spielen, war freilich nirgends zu lesen oder zu hören.
Was sollen autoritätsgläubige Kritiker mit einem antiautoritären Künstler anfangen. Sie hätten auch den Ratschlag eines anderen Kandidaten, Bob Dylan, nicht kapiert: "Don't follow leaders / watch the parking meters."

Wiener Zeitung 1997

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Was ist ein Ohrler?

Die Diskussion um die Rechtschreibreform hat eines gezeigt: Autoritäre Charaktere wollen als "Sprachpolizisten" - den Terminus versteht so mancher als Ehrentitel - dem sprachlichen Ausdruck und damit dem Denken eine Uniform verpassen. Weil dies im Bereich der Stilistik undurchführbar ist, und weil sich auch die reiche Syntax des Deutschen nicht in der Form von Gut/Böse-Sätzen formulieren lässt, konzentrieren sie sich auf die Wörter.
Als Lieblingsfeind germanisch beseelter Wortklauber gilt seit einiger Zeit das Englische, das zwar ausgeprägte gemeinsame Wurzeln hat, heute aber als Bedrohung des Guten, Wahren, Schönen und Heimatlichen empfunden wird. Einige der aufrechten Kämpfer gegen Anglizismen geben die "Wiener Sprachblätter" heraus, die sich der "Pflege des nationalen Sprachgutes", so das rechtsextreme Thulenet, verschrieben haben. Weil aber die Zeitschrift allein für ein derart wichtiges Anliegen nicht genug Platz bietet, hat man eine Broschüre mit dem Titel "Engleutsch? Nein danke!" publiziert, die dem geneigten Leser Stunden wahren Frohsinns bereiten mögen.
Die deutschsprachigen Alternativen erfreuen vor allem, wenn man an ihren Einsatz im Gespräch denkt, etwa "Tragling" und "das Wurm" für "Baby". Sehr empfehlenswert sind auch jene Wörter, bei denen der "Versuch einer Neuschöpfung" unternommen wurde, etwa "ICE: Städtehochgeschwindigkeitszug, Flugzug, Schienenstürmer". Ein Schelm, wer beim letzten Vorschlag an politische Hintergründe für die Wahl des Neologismus denkt. Wird doch auch der Einsatz von Frakturschrift pädagogisch einwandfrei begründet: "Wie jeder Student weiß, braucht man zum Lesen alter Bücher Kenntnisse der gebrochenen Schriften."
In solchen kann man die deutsche Sprache effektiv schützen, indem man Sätze generiert wie "Um die viertausend Wörter, schätzt man, sind schon aus dem Englischen und dem Amerikanischen in die deutsche Sprache eingegangen. Die Zahl steigt rapide weiter, der Prozess, so scheint es, ist im Begriff, sich zu überstürzen". Was ein sich überstürzender Prozess ist, weiß vermutlich Christian Meier aus dessen Buch "Sprache in Not?" der Satz stammt. Heinz Dieter Pohl, Universitätsprofessor in Kärnten und Obmann des herausgebenden Vereins "Muttersprache" zitiert die Aussage zustimmend in der Zeitschrift und sollte es als guter Wissenschaftler auch wissen.
Da er es uns nicht mitgeteilt hat, blättern wir lieber weiter in "Engleutsch? Nein danke!". Dass der Ausdruck "Handy" im Englischen nur als Eigenschaftswort (handlich, leicht bedienbar) existiert, mag ja noch eine Anmerkung wert sein. Die Wiener Sprachpfleger meinen jedoch: "Bedenken Sie, dass ein Gegenstand häufig nur durch einen Teil des Ganzen bezeichnet wird, z.B. Handy. Wir könnten den tragbaren Fernsprecher mit ähnlicher Berechtigung Ohrler nennen. Tatsächlich schlagen wir das Wort Handohrler vor."
Bleibt die Frage, wie man das Babyphone vertreudeutschen sollte: Wurmfernohrler? Traglingsschallleiter? Vielleicht erfahren wir es in der nächsten, erweiterten Ausgabe.

Wiener Zeitung 2000

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