Lampertheimer Zeitung, 18.5.2009
KONZERT Mit "Wundertüten" beschreiten die Musik- und die Goetheschule neue Wege / Lyriker liest selbst
Von Heiko Sonnleitner-Seegmüller
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Dass Kindermusik nicht anspruchslos sein muss und
anspruchsvolle Texte haben kann, zeigte Claudia Nicolai von der Lampertheimer
Musikschule mit dem Chor der Goetheschule und Lyriker Gerald Jatzek beim
Konzert "Wundertüte". |
LAMPERTHEIM. "In der besten Wundertüte liegen hundert
Plunderhüte." Dies war die Anfangszeile des ersten Liedes, das am Samstag
in der Aula des Lessing-Gymnasiums zu hören war. Der Schulchor der
Goetheschule unter der Leitung von Bettina Wosch, der Kinderchor der
Musikschule sowie das Instrumentalensemble der Musikschule unter der Leitung
von Joachim Sum spielten das Kinderkonzert "Wundertüten".
Die
Komponistin der Stücke, Claudia Nicolai, begleitete die Jungmusiker am
Klavier. Getextet wurden die Gedichte von Gerald Jatzek, der sie auch teils
selbst vortrug- dies erwies sich als eine gelungene Kombination, denn die
Lieder waren allesamt kindgerecht aufbereitet. Dennoch ließ sich in der
Musik ein gewisser Anspruch erkennen. So hörte man Klänge, die sonst
eher im Jazz zu finden sind. Aber auch spätmittelalterliche Töne
kamen aus einer Mandoline und der Kehle des Texters. Begeistert sangen die
Chöre ihre Strophen und spielten die Nachwuchsmusiker ihre Instrumente.
Sofort konnte jeder bemerken: Hier war nicht nur viel Talent zu erkennen,
sondern auch sehr viel Spaß am Auftritt.
Das Konzert war so nicht
nur für die Kinder ein Erlebnis. Immer wieder konnte man bei Textstellen
auch die Erwachsenen lachen hören: "Es war einmal ein Troll, der strich
sich sorgenvoll durch seinen dünnen Bart und meckerte: 'Er
haart.'"
Auch für die Ansagen zu den verschiedenen Liedern
ließen sich die Verantwortlichen jede Menge einfallen. So wurden die
Gäste aufgefordert, mitzusingen - einen Teil des Refrains die Frauen, den
anderen die Männer. Auch über die Entstehung der Songs erhielt das
Publikum verschiedene Informationen. Beispielsweise kam die Idee zu einem der
Lieder wegen einer Spielzeugmesse. Hier hörte Gerald Jatzek von
Roboterhunden und stellte sich die Frage: "Was wäre, wenn man Kinder
kaufen könnte?" So machte er sich Gedanken darüber, wie das ideale
Roboterkind aussehen müsse. Zur besseren Anschaulichkeit wurde zu diesem
Lied die Musik von einem kleinen szenischen Schauspiel
begleitet.
Während der Proben, so Nicolai, gab es immer wieder
Fragen der Kinder. Diese bezogen sich auf den Texter. So stellte sie
schließlich einen Fragenkatalog auf, der dann auch zwischen zwei Liedern
während des Konzerts zur Sprache kam: "Hassen sie Duschen?" Oder: "Wie
kommt es, dass die Schaben graben?" Mit viel Witz und Humor beantwortete Jatzek
die Fragen.
Das Konzert wurde am Samstag zum zweiten Mal
aufgeführt, nachdem die Premiere in Darmstadt stattgefunden hatte. Bis
dahin war es ein langer Weg. Nicolai kam vor einiger Zeit zu der Erkenntnis,
dass es zu wenig Kinderlieder mit guten Texten gibt. Auf der Suche nach neuen
Ideen blätterte sie in einem Buch und fand ein Gedicht von Jatzek. Auch
auf eine E-Mail reagierte der Schriftsteller mit Begeisterung und lieferte noch
mehr Gedichte. "Dann purzelten die Ideen gerade so", sagte Nicolai weiter. Ihr
war es bei der Vertonung der Kinderlyrik wichtig, Türen in ganz viele
Stile zu öffnen. Die Songs sollten anspruchsvoller sein als dies bei den
gängigen Kinderliedern der Fall war - dies ist ihr gelungen.
Nach
der Anfrage hatte sich Jatzek die Musik angehört und befand sie für
gut. So "mischte" er sich ein und erklärte sich bereit, bei diesem Projekt
der Goethe- und Musikschule Lampertheim mitzuwirken. Der Österreicher kam
hierzu eigens für die beiden Konzerte angereist.
Lampertheimer Zeitung, 18.5.2009