Darmstädter Echo, 15.5.2009
Kinderkonzert: Die Lieder von Gerald Jatzek und Claudia Nicolai
animieren in der Darmstädter Akademie zum Mitsingen
DARMSTADT. Von
Susanne Döring
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Gerald Jatzek bei der Lesung in der Akademie
für Tonkunst. Die Wundertüte wurde mit Musik von Claudia Nicolai
sowie Gesang des Kinderchors und Musikern der Akademie
aufgeführt. |
"Das Schönste am Schreiben", erzählt Gerald Jatzek, "ist,
dass man sich etwas ausdenken kann, was es nicht gibt." Und so bevölkern
alle möglichen Fabel- und Zauberwesen seine Gedichte, die er am
Mittwochabend zusammen mit dem Nachwuchschor der Darmstädter Akademie
für Tonkunst unter der Leitung von Claudia Nicolai vorstellte.
Dem
Träger des österreichischen Staatspreises für Kinderlyrik
gefällt die Vertonung seiner Gedichte für Kinderchor durch Claudia
Nicolai so gut, dass er eigens Stücke für sie schrieb, die sie nun in
dem Zyklus "Die Wundertüte" zusammengestellt hat. "Es gibt nicht viel
Vernünftiges für Kinder in diesem Alter, vieles ist einfach nur
blöd", sagt Jatzek, der in seinen Gedichten möglichst die Alltagswelt
von Kindern erfassen möchte. Und die, so entspringt es seinen Texten,
beinhaltet eben auch ein großes Maß an Fantasie. Da haben die
Kinder ihre ganz privaten Monster, die nur sie selbst sehen können:
Deshalb finden sich bei Jatzek auf einem Monsterfest Dracula, Frankenstein und
King Kong ein und tanzen zu den Klängen der Tarantel am Klavier. In einem
anderen Lied kann ein Hochhaus Klavier spielen, während es "mit Tropfen
aus Papier" regnet und die "Löschblattblumen"
sprießen.
Gerald Jatzek, der 1956 in Wien geboren wurde, unterlegt
seine Lyrik zum Teil auch selbst mit Musik, aber er ist, wie er sagt, auf Folk
und Blues spezialisiert. An den Chorstücken von Claudia Nicolai, die die
Kinder- und Jugendchöre an der Darmstädter Akademie für Tonkunst
leitet, schätzt er besonders die Vielseitigkeit. Und in der Tat: In der
rund einstündigen Aufführung mangelt es nicht an
Abwechslung.
Es walzert, ein anderes Mal beginnen die Kinder zu
schunkeln, einige Lieder erinnern an Carl Orff, und im Badezimmersong platscht
es lautmalerisch durch den Saal. Die zumeist einstimmig gesetzten Lieder werden
von den Kindern im Alter von neun bis zwölf Jahren mit großer
Begeisterung gesungen - man merkt ihnen den Spaß an, den sie an Jatzeks
Fantasiewelt und Nicolais eingängigen Melodien haben.
Bei den von
Jatzek selbst komponierten und von ihm vorgetragenen Liedern bleibt kaum ein
Kind still auf seinem Stuhl sitzen. Diese lebendige Stimmung
überträgt sich denn auch auf die vielen Zuhörer im Saal, die
aufgefordert werden, mitzusingen und zu klatschen.
Dazu bietet die
instrumentale Begleitung einen weiteren Unterhaltungsfaktor. Anne Müller
von der Akademie für Tonkunst unterstreicht den fetzigen Charakter der
Stücke mit ihrem kräftigem Klavierspiel, Ulrich Pietsch
präsentiert sich als Allroundmusiker an Cello, Kontrabass und Ukulele, und
Jatzek hat Gitarre, Mandoline und Mundharmonika mitgebracht.
Bei soviel
Vergnügen ist es kein Wunder, dass die Zuhörer die Musiker am Ende
des Konzerts nicht ohne zwei Zugaben ziehen lassen wollen.
Darmstädter Echo, 15.5.2009