Volksmusik der anderen Art

Willi Resetarits hat "no so vü" vor und spricht darüber

Stubnblues 3Die Frage, ob er sich zum Pete Seeger Österreichs entwickelt, lässt Willi Resetarits unbeantwortet, doch der große, engagierte Mann der Folkmusik beschäftigt ihn. Ende der 1960er hat Resetarits von ihm das afrikanische Lied "Tschotscholossa" gelernt das 1971 als erste Single der Schmetterlinge herauskam. Heute hat Resetarits das Stück wieder im Programm. Bei Auftritten mit Isingizi fährt die Eisenbahn nun nicht mehr durch Rhodesien, sondern durchs entkolonialisierte Simbabwe.

Das ist nur eines der Projekte des vormaligen Dr. Kurt Ostbahn, der laut der neuen Stubnblues-CD "no so vü" vorhat. Das Betätigen von Perkussionsinstrumenten – Resetarits begann seine Bühnenkarriere ja als Rhythmusbeauftragter in der Folkszene – gehört ebenso dazu wie die Beschäftigung mit österreichischer Literatur. Peter Blaikners titelgebenden Text empfand er als "für mich gschriebn", mit den Gedichten H. C. Artmanns verbindet ihn eine lebenslange Beziehung. Gleich drei Werke des österreichischen Poeten finden sich auf der CD, wienerischer Sprachsound, der bluesig bis jazzig umgesetzt wird.

Es ist aber nicht nur der Klang der Wörter, sondern das "Echte", das den Musiker an Artmanns Gedichten fasziniert. Sprache sagt immer etwas über den Sprecher aus, weiß der durch Uni Wien und Karl Kraus sozialisierte Resetarits. Das Ohr fürs Authentische hat er freilich schon früher erworben: Wienerisch war für ihn die zweite Sprache, stets verglichen mit dem familiären Kroatisch, - Hochdeutsch kam erst in der Volksschule dazu.

Dem Wienerischen nähert sich Resetarits bis heute auf "no so vü" Arten: Mit Tini Kainrath und dem Streichquartett String Fizz werden die Gershwins eingemeinde, mit Sabina Hank trägt er "Abendlieder" nach Artmann und Jura Soyfer zu kammermusikalischer Begleitung vor.

Vielfältig sind auch die Wurzeln des Stubnblues, in dem es wie in jeder brauchbaren Volksmusik – also abseits aller Stadldodeleien – eklektisch zugeht. Die britischen Folkrocker Lindisfarne werden ebenso nach Wien verpflanzt wie der Cantautore Gianmaria Testa und Herbie Hancock. Auswahl und Arrangements entstehen, ergeben sich bei ausgedehnten Sessions. Mit "entspannt" bezeichnet Resetarits das Musizieren, bei dem man "etwas passieren" lässt. "Spielen halt" ist die Grundlage, auf der neben Kompositionen Stefan Schuberts auch ein melancholisches Chanson Ernst Moldens und ein kroatisches Volkslied den Weg auf die CD gefunden haben.

In Summe ergibt das 15 Stücke für Stunden, in denen man sich Zeit für Musik und Texte nimmt. Fürs Zuhören halt...

Willi Resetarits: Stubnblues – No so vü, Vertrieb: Hoanzl

Weitere Tonträger

Gerald Jatzek, Wiener Zeitung, April 2009